News-Ticker

Bericht vom diesjährigen Selbsthilfe-Workshop des HKND

Am 16. und 17.10.2020 war wieder der jährliche HKND-Workshop für unsere Selbsthilfe-Gruppenleitungen. Thema des ersten Teils war die Betroffenenberatung – vom Erstgespräch am Telefon zur Strukturierung von Gesprächen in der Selbsthilfegruppe. Am zweiten Tag ging es um die praktische Gestaltung der Gruppenarbeit. Trotz gutem Ergebnis hoffen wir, dass der nächste Gruppenleitungs-Workshop wieder gemeinsam an einem Ort stattfinden kann.

Am 16. und 17.10.2020 tauschten wir uns wieder beim jährlichen HKND-Workshop für unsere Selbsthilfe-Gruppenleitungen aus. Unter den besonderen Bedingungen der Corona-Pandemie geschah dies natürlich per Video-Konferenz, statt wie in der Vergangenheit im hessischen Fulda.

Organisiert wurde die Fortbildung von Antje Backes, die die Selbsthilfegruppe in Saarbrücken leitet. Durchgeführt hat sie die Diplom-Psychologin Ute Noack, die seit 2014 beratend für Selbsthilfegruppen tätig ist.

Wie verstehe ich Selbsthilfe und meine Rolle in der Beratung

Thema des ersten Teils am Freitag war neben einer Vorstellungsrunde das Thema Betroffenenberatung – vom Erstgespräch am Telefon zur Strukturierung von Gesprächen in der Selbsthilfegruppe.

Dabei beschäftigten wir uns mit den verschiedenen Phasen eines Beratungsgespräches und konnten selbst in einem praxisnahen Gespräch aktiv werden. Vertrauen aufbauen, Empathie vermitteln, Nachfragen und Einordnen gehören dazu.

Grundhaltungen für das Beratungsgespräch

„Keiner weiß besser was gut für ihn ist, als er Betroffene selbst.“ Dieser Leitsatz des amerikanischen Psychologen Carl R. Rogers, dem Begründer der Personenzentrierten Gesprächspsychotherapie, beschreibt sehr gut die Haltung, die die Selbsthilfearbeit kennzeichnet. Wir verstehen uns eher als diejenigen, die den Rat- und Kontaktsuchenden helfen, ihre eigenen Antworten zu finden.

Denn die Bewältigung der Krankheit Krebs ist sehr individuell und komplex, es gibt keine allgemeinen Patentrezepte. Während der eine nach fundierten Infos zu Therapien sucht, braucht der andere ein offenes Ohr für seine Alltagsprobleme. Gutes und respektvolles Zuhören und Verstehen sind der Ausgangspunkt dafür, dass man gemeinsam nach Lösungen suchen kann. Dabei ist es ganz wichtig, dass die Selbsthilfe nur den Raum dafür bieten kann, ein Gespräch in Gang zu bringen. Fertige Antworten zu liefern ist nicht unsere Aufgabe.

Problematische Gespräche: Wie gehe ich gut damit um

Im Workshop nutzten wir eine sogenannte Intervisionsmethode für die Bewältigung von problematischen Situationen im Gespräch mit Ratsuchenden. In fünf Phasen á fünf Minuten wurde zunächst ein Beispiel aus der Praxis von einer Gruppenleiterin vorgestellt. In Phase 2 vertieften die anderen Teilnehmenden mit Sachfragen ihr Verständnis zu dem Fall.
Danach beschrieben die Beobachtenden in Phase 3, wie sie sich in der Rolle gefühlt hätten oder was das Thema in Ihnen auslöst. In Phase 4 gab es dann einen Ideenpool aller, was man tun oder wo man ansetzten könnte, um das spezielle Problem des Ratsuchenden zu lösen.
Die Person, die den Fall vorstellte, wählte dann diejenige der möglichen Reaktionen, die zu der Problemstellung am besten passte.
Die 5×5-Methode erweitert so die Perspektiven und Lösungsmöglichkeiten für den jeweils Gesprächsführenden und war ganz nebenbei auch für die anderen Gruppenleitungen inspirierend für mögliche zukünftige Gesprächssituationen.

Thema Nachfolge und Aufgabenverteilung

Am zweiten Tag des Workshops ging es um die praktische Gestaltung der Gruppenarbeit, Ob aus familiären, beruflichen oder gesundheitlichen Gründen – Gruppenleitungen sind auch mit der Frage konfrontiert, wer sie bei der Selbsthilfearbeit unterstützt oder im Notfall vertritt. Hierzu gehört auch, sich und anderen klar zu machen, welche Teilaufgaben dazu gehören und ob ich diese – beispielsweise zur Entlastung – an andere Gruppenmitglieder delegieren kann. Denn ob Treffen und Vorträge zu organisieren oder Fördergelder zu beantragen sind, kann es sehr entlastend sein, sich hier aus der Gruppe Unterstützung zu organisieren.

Folie Stellenbeschreibung

Neben der eigentlichen Leitung einer Gruppe gibt es potentiell viele Aufgaben, die nicht alle nur von einer Person getragen werden müssen.

Vielleicht gibt es auch jemanden, der eine besonders gute Idee hat und damit eigene Schwerpunkte in der Selbsthilfegruppe setzen kann. Wenn wir unsere Offenheit dafür zeigen, motiviert das zur aktiven Mitarbeit und bringt neue Impulse für die Gruppe.

Man könnte aber auch vermitteln, was einem selbst an der Selbsthilfearbeit besonders gut gefällt. Denn die Leitung einer Selbsthilfegruppe ist nicht nur menschlich befriedigend und thematisch sehr vielfältig, sie bietet z.B. auch viele Gelegenheiten etwas dazuzulernen und Kontakte zu knüpfen.

Thema Selbsthilfe unter Corona-Bedingungen

Ein Thema, das uns natürlich sehr beschäftigt, ist die Selbsthilfe in Zeiten der Corona-Pandemie. Manche Gruppen treffen sich weiterhin physisch, andere per Telefonkonferenz. Für Ersteres ist ein Hygienekonzept wichtig. Räume gibt es unter Umständen bei Selbsthilfe-Kontaktstellen oder Gemeinden. Zum Hygienekonzept gehört, neben den AHA-Regeln und den Vorschriften der jeweiligen Einrichtung, eine ausreichende Raumgröße und gutes Lüften, eine Teilnehmerliste und das Mitbringen eigener Getränke.

Möchte man das Risiko von Ansteckungen ganz ausschließen oder hat keinen geeigneten Raum, so sind Telefon- oder Videokonferenzen eine Alternative. Infos zu den technischen Voraussetzungen und Anbietern kann man bei den eigenen Selbsthilfe-Kontaktstellen oder der NAKOS finden. Ob bestimmte Tools und Software förderfähig sind, hängt u.a. auch vom Datenschutz ab. Fragen Sie im konkreten Fall lieber vorher Ihren Fördergeber. Das HKND steht natürlich auch gerne mit Rat und Tat zur Seite.

Fazit des Workshops

Aufgrund der Durchführung als Videokonferenz fielen leider die wertvollen persönlichen Austauschmöglichkeiten während einer gemeinsamen Fortbildung, wie ein gemeinsames Mittagessen oder ein Spaziergang im Park weg. Dennoch war ein sehr gutes und konzentriertes Arbeiten möglich, alle kamen gut mit der Technik zurecht und waren am Ende sehr zufrieden mit den Ergebnissen. Dazu gehörte auch die abwechslungsreiche Gestaltung z.B. mit Umfragen oder Gruppenarbeit.

Kolping-Haus in Fulda

In der Vergangenheit fanden die Workshops im Kolping-Haus in Fulda statt.

Ein guter Nebeneffekt von per Video abgehaltenen Veranstaltungen sind natürlich auch die eingesparten CO2-Emissionen und Fahrtkosten. Trotzdem hoffen wir, dass der nächste Gruppenleitungs-Workshop wieder gemeinsam an einem Ort stattfinden kann und wir uns nicht nur am Bildschirm zuwinken. Wir wünschen uns auch generell eine noch regere Teilnahme, denn unser Netzwerk lebt vom gegenseitigen Lernen, Austauschen und Verstehen. Wer also diesen Workshop verpasst hat – es wird bestimmt im nächsten Jahr wieder Gelegenheit geben.

hwb/awi

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