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Bericht vom Post-Chicago-Treffen in München

Plakat

Martina Kiehl und Astrid Doppler vertraten das Hautkrebs-Netzwerk beim Post-Chicago-Melanom/Hautkrebs-Meeting, das Ende Juni in München stattfand. Auf der Fachveranstaltung werden jährlich die wichtigsten Ergebnisse des größten inernationalen Krebskongresses, des ASCO in Chicago präsentiert.

Martina Kiehl, Buxtehude, und Astrid Doppler, Nürnberg

Martina Kiehl und ich, Astrid Doppler, repräsentierten das Hautkrebs-Netzwerk als Patientenvertreterinnen am 8. Post-Chicago-Melanom/Hautkrebs Meeting in München am 28. und 29. Juni.

Der Kongress beeindruckte uns mit einer geballten Ladung an Information und einem recht straffen Programm. Mehr als 650 Teilnehmer aus 35 Ländern hörten Neuigkeiten von Hautkrebsexperten, die die Ergebnisse des ASCO-Kongresses von Anfang Juni in Chicago präsentierten. Unter den Vortragenden waren weltweit bekannte Ärzte wie Carolin Robert (Frankreich), Jeffrey Weber (USA), Reinhard Dummer (Schweiz) sowie unsere deutschen Top-Ärzte Dirk Schadendorf (Essen), Peter Mohr (Buxtehude), Axel Hauschild (Kiel) und Christoffer Gebhardt (UKE Hamburg) – um nur einige zu nennen.

Welche Rolle spielt die Darmflora?

 Vortrag Jennifer Wargo, Houston, USA

Vortrag Jennifer Wargo, Houston, USA

Die Fülle an Information war so groß, dass ich sie unmöglich alle in diesen kurzen Bericht packen kann. Deshalb greife ich hier nur einige wenige Themen auf. Faszinierend war etwa ein Vortrag aus der Forschung, der sich mit dem Mikrobiom im Darm, seiner Zusammensetzung und der Auswirkung auf die Immuntherapie auseinandersetzte. Hier gibt es starke Hinweise, dass bestimmte Darmbakterien das Ansprechen auf Immuntherapie verbessern. Es gab den Tipp, auf ballaststoffreiche Ernährung zu setzen und nicht auf Verdacht Probiotika einzunehmen.

Neue Optionen für die adjuvante Therapie des Melanoms

Überblick über wichtige adjuvante Studien

Das beherrschende Thema des Kongresses war allerdings die adjuvante Therapie, da die Zulassung von Nivolumab (Immuntherapie) und Tafinlar und Mekinist (zielgerichtete Therapie) im tumorfrei operierten Stadium III und IV kurz bevorsteht. Für die Zukunft werden die adjuvanten Therapien Einfluss haben auf die Vorgehensweisen im Stadium IV.

Folie

Darf nicht fehlen: Axel Hauschilds Confusiogramm zeigt die Vielfalt möglicher Therapieansätze. Grafik: A. Hauschild

Wir erhielten auch Einblick auf neue mögliche künftige Kombinationspartner zu den Immuntherapien. Diese werden auch in Zukunft das starke Rückrad der Behandlung des Melanoms bleiben („backbone therapy“). An den Erfolgen dieser Therapien werden sich künftige Medikamente, die auf den Markt wollen, messen.

Gesucht werden Kombinationspartner, die weniger toxisch sind, als die derzeit zugelassene Kombination. Das Therapieansprechen soll noch weiter verbessert werden und Strategien werden gesucht, um Resistenzen zu überwinden, damit noch mehr Patienten von diesen Therapien profitieren können.
Genannt wurden zum Beispiel LAG 3, oder NKTR-214 (pegyliertes Interleukin 2, hier gab es auch bei PD1-negativen Patienten ein Therapieansprechen).

Weiter offen: erst Immun- oder zielgerichtete Therapie?

Die Therapieentscheidung hängt von vielen Faktoren ab. Grafik: Paolo Ascierto.

Auf die Frage, ob BRAF-positive Patienten zuerst Immuntherapie oder zielgerichtete Therapie erhalten sollten, gab es auch in München keine eindeutige Antwort. Beide Therapien haben bekannte Stärken und Schwächen (zielgerichtete Therapie: schnelle Wirkung auch bei höherer Tumorlast, hohe Ansprechraten, jedoch bilden sich meist Resistenzen mit der Zeit. Nebenwirkungen klingen ab bei Absetzen der Behandlung. Immuntherapie: wirkt am besten bei geringerer Tumorlast, man muss Zeit haben, bis die Wirkung einsetzt, niedrigere Ansprechraten auf die Therapie, jedoch Langzeitwirkung möglich.

Bei Hirnmetastasen wirkt Immuntherapie besser als zielgerichtete Therapien. Nebenwirkungen klingen nicht unbedingt ab bei Absetzen der Therapie, lebenslange Behandlung von andauernden Nebenwirkungen kann im Einzelfall möglich werden.)

Individuelle Entscheidung – z.B. auch bei Kinderwunsch

Es wird auch künftig eine individuelle Entscheidung zwischen Arzt und Patient sein, welche Therapie an erster Stelle kommt. Die Tendenz geht eindeutig in Richtung personalisierter Medizin. Man muss immer im Einzelfall betrachten, welche Voraussetzungen der Patient mitbringt. Für Patienten wird ausführliche Aufklärung immer wichtiger sowie eine Auseinandersetzung mit den möglichen Therapieformen,um tragfähige Entscheidungen treffen zu können.

Angesprochen wurde auch das Problem der Fertilität (Fruchtbarkeit). Wenn die Familienplanung noch nicht abgeschlossen ist, sollten Ärzte vor der Entscheidung zu einer Immuntherapie auf die Möglichkeit des Einfrierens von Eizellen oder Samen hinweisen. Bitte auch als Patient den Kinderwunsch unbedingt im Gespräch mit dem Arzt äußern!

Ein Ausblick in die nähere Zukunft zeigt, dass neben der Frage „welche Therapie zuerst?“, auch die Frage „Immuntherapie + zielgerichtete Therapie gleichzeitig?“ von Bedeutung ist. Ein Blick auf die Folie macht den Sinn dahinter klar:

Die Kombination beider Therapien könnte das hohe Ansprechen auf zielgerichtete Therapie zu Beginn und die Langzeitwirkung der Immuntherapie vereinen.

Besonders interessant fand ich persönlich den Therapieansatz der neoadjuvanten Therapie bei malignem Melanom, mein persönliches Highlight des Kongresses. Neoadjuvant bedeudet, eine medikamentöse Behandlung VOR der Entfernung des Tumorgewebes durch Operation.

Man beachte z.B. die präsentierten Studienergebnisse, dass die Komplettentnahme von Lymphknoten nach einer Metastase im Wächterlymphknoten keinen Überlebensvorteil bringt, wenn man mit Beobachten vergleicht, siehe Grafik: 

Denoch ist interessant, dass auf Grund der Wächterlymphknoten-Untersuchung (Sentinel-OP) 20% der Patienten anders behandelt werden, als zuvor geplant.

Bessere Therapien beim metastasierten Plattenepithelkarzinom

Unbedingt erwähnen möchte ich die neuen Therapien zum metastasierten Plattenepithelkarzinom. Auch hier können Patienten hoffentlich sehr bald auf den Einsatz von Immuntherapie als Erstlinienbehandlung und somit auch auf verbesserte Überlebenschancen hoffen.

Am Freitag Abend, nach zwei Tagen Programm, waren wir zwar bester Laune, aber dennoch ziemlich geschafft. Wieder zu Hause angekommen, musste die Information aufbereitet, sortiert und für unsere Mitglieder zur Verfügung gestellt werden.

Dreijahresüberleben beim Melanom 2018Hier noch eine letzte, interessante Folie. Sie zeigt das stets steigende Dreijahresüberleben von Stadium-IV-Melanompatienten. Welche Therapie wird wohl die nächste Verbesserung für uns bringen und wann?

Text und Fotos: Astrid Doppler, Melanom Info Deutschland – MID, Gruppenleitung virtuelle Selbsthilfegruppe „Diagnose Hautkrebs – wir lassen dich nicht allein“

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