News-Ticker

Bericht vom Deutschen Hautkrebskongress in Ludwigshafen

Auf dem diesjährigen Deutschen Hautkrebskongress der ADO in Ludwigshafen trafen sich über 900 Expertinnen und Experten – aber auch Patientenvertreter konnten sich auf dieser wichtigen Veranstaltung auf den neuesten Stand bringen. Forschung, klinische Praxis und Versorgung im Bereich Hautkrebs wurden hier vorgestellt und diskutiert.

Die Aktiven vom Hautkrebs-Netzwerk hatten wieder die Gelegenheit zu vielen interessanten Begegnungen und fruchtbaren Gesprächen mit dem Pflegepersonal, den Ärztinnen und Ärzten und allen Fachleuten, die zum Hautkrebs forschen und informieren. Die Themen reichten von neuen Therapien und deren Nebenwirkungen bis zur Arzt-Patienten-Kommunikation, Künstlicher Intelligenz und Sport bei Krebs.

Neues vom Melanom

Je länger die neuen Therapien für das fortgeschrittene Melanom mit beeindruckenden Langzeit-Überlebensraten im Einsatz sind, desto mehr rückt die Optimierung dieser Therapien in den Fokus. Gleich mehrere Vorträge befassten sich dabei mit dem Thema Nebenwirkungen. Da die betreffenden Medikamente inzwischen auch in Dreifach-Kombination getestet werden, steigt das Risiko für Nebenwirkungen entsprechend.

In Rot die Überlebensraten im Stadium IV unter verschiedenen neuen Melanomtherapien (für 48 und 60 Monate nach Therapiebeginn). Früher waren die Zahlen in diesem Stadium viel entmutigender.

Wir wissen insgesamt noch zu wenig über Nebenwirkungen sowohl der gezielten als auch der Immuntherapie. Eine längere Nachbeobachtungsphase und ausreichend informiertes Personal sind wichtig, um Nebenwirkungen rasch zu erkennen und behandeln zu können. Sehr selten sind schwerwiegende und tödliche Reaktionen.

Die vortragenden Experten betonten wiederholt, dass ein frühzeitiges Eingreifen oder ein Therapieabbruch dem entgegenwirken kann. Frau Dr. Lucie Heinzerling vom Universitätsklinikum Erlangen stellte die baldige Einrichtung eines speziellen Online-Registers namens SERIO in Aussicht, das dem besseren Management von Nebenwirkungen dient und zur Zeit als Online-Plattform in Kooperation mit dem Paul-Ehrlich-Institut aufgebaut wird. (Ein weiteres internationales Nebenwirkungsregister, das bereits länger existiert: http://vigiaccess.org/)

Die Debatte dauert unter den Experten an, ob zuerst die gezielte oder die Immuntherapie eingesetzt werden sollte. Es gibt klinische Studien zu einer gezielten Therapie mit anschließender Immuntherapie, einer Immuntherapie mit anschließender gezielter Therapie und einer Kombination beider, deren Ergebnisse abgewartet werden müssen.

Hautnebenwirkungen aktueller Therapien

Ein Vortrag von Dr. K.M. Thoms aus Göttingen drehte sich speziell um Hautnebenwirkungen. Juckreiz und Ausschlag können relativ früh nach Therapiebeginn auftreten und sind meist gut zu behandeln oder durch eine Therapiepause in den Griff zu bekommen. Ganz vereinzelt werden auch Phänomene wie Haarausfall bei Ipilimumab und Psoriasis durch Pembrolizumab beschrieben. Kurios: Unter Ipilimumab weiß gewordene Haare wurden in einem Einzelfall nach Umstellung auf Pembrolizumab wieder dunkel.

Blasenbildungen und  Autoimmundermatosen treten manchmal erst  6 bis 8 Monate nach Therapiebeginn auf, ein Therapieabbruch ist dann oft nötig. Und eine bestimmte Nebenwirkung scheint sogar ein gutes Zeichen zu sein, denn sehr häufig ist eine ebenfalls beobachtete Hautnebenwirkung, die Vitiligo, mit besserem Therapieansprechen verbunden, wie berichtet wurde.

Hirnmetastasen: Erfreuliche Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten

Das Gefährlichste am fortgeschrittenen Melanom sind auftretende Hirnmetastasen, deshalb ist es sehr erfreulich, dass die Behandlungsmöglichkeiten in den letzten Jahren besser geworden sind. Wichtig ist ein zeitnahes Screening des Kopfes beim fortgeschrittenen Melanom, damit die Hirnmetastasen im asymptomatischen Stadium behandelt werden können, d.h. in einem frühen Stadium, in dem man noch nichts von ihnen merkt.

Systemische Therapien können eine wirksame Behandlung für Hirnmetastasen darstellen, doch die meisten klinischen Studien dazu wurden mit kleinen Patientengruppen durchgeführt und sind deshalb wenig aussagefähig. Ungefähr die Hälfte der Patienten sprechen insgesamt auf systemische Therapien bei Gehirnmetastasen an, d.h. diese bilden sich zurück oder verschwinden ganz.

 
 
 
Strahlentherapie und Radiochirurgie (z.B. Cyberknife) sind weitere wichtige Bestandteile der Behandlung bei Hirnmetastasen. Diese können mit einem erhöhten Risiko von Strahlenreaktionen, also Nebenwirkungen der Strahlentherapie einhergehen. Für die Behandlung von Reaktionen auf die Strahlentherapie liegen noch keine Therapiestandards vor, diese wären aber nötig.

Die Ganzhirnbestrahlung wurde von den Experten beim Kongress als nicht mehr zeitgemäß angesehen. Die gezielte stereotaktische Bestrahlung auch von mehr als zwei Hirnmetastasen scheint dagegen gut wirksam zu sein und habe weniger unerwünschte Nebenwirkungen. Als wirksam hat sich auch die Verbindung von Strahlentherapie mit Immuntherapie erwiesen. Es wird diskutiert, ob es besser ist, diese möglichst frühzeitig zu beginnen.

Mittlerweile gibt es immer mehr wissenschaftliche Studien, die Patienten mit Hirnmetastasen einschließen, so dass man besser beurteilen kann, was wirklich hilft. Ein wichtiges Fazit aufgrund der besseren Überlebenschancen ist, dass man die Nebenwirkungen möglichst gut verstehen und behandeln muss, denn wenn Patienten länger und besser überleben, ist die anschließende Lebensqualität um so wichtiger.

TILs-Therapie für das fortgeschrittene Melanom noch am Anfang

Beim Deutschen Hautkrebskongress

Prof. John Haanen vom Nederlands Cancer Center Amsterdam mit Anne Wispler vom HKND

Mit Spannung erwartet wurde der Vortrag von Prof. John Haanen vom Niederländischen Krebsinstitut Amsterdam. Für Patienten, die nicht auf gezielte oder Immuntherapie ansprechen, wird weiter nach neuen Behandlungsmöglichkeiten geforscht. Eine Option könnte die TILs-Therapie (TILs = Tumor-infiltrierende Lymphozyten sind weiße Blutkörperchen, die Tumoren bekämpfen) sein, bei der körpereigene, dem individuellen Tumor entnommene Immunzellen im Labor vermehrt werden, um sie dann wieder zu injizieren. Die Anwesenheit Tumor-infiltrierender Lymphozyten (TILs) scheint bei vielen Krebserkrankungen mit einem besseren Überleben zusammenzuhängen. Die Prozedur ist aufwändig, kann auch starke Nebenwirkungen haben und wird derzeit in Holland und Dänemark in kleineren Studien weiter erforscht. So ist noch zu klären, genau welche T-Zellen wirksam sind, welche Rolle die Gabe von Interleukin in dem Prozess spielt und welchen Stellenwert die TILs-Therapie in der Gesamtheit aller systemischen Therapien des Melanoms einnehmen könnte.

Kommunikation ist alles

Natürlich ist auch der persönliche Austausch immer wichtig. Die Fachgesellschaften halten ihre jährlichen Treffen ab und auch das HKND nutzte das Treffen, um die jährliche Mitgliederversammlung abzuhalten.

Kommunikation war aber auch das Thema eines hochspannenden Workshops, in dem Dr. Peter Mohr (Buxtehude) und Dr. Friedrich Overkamp (Hamburg) ein fiktives Beratungsgespräch der schwierigeren Sorte auf der Bühne vorführten.

Arzt und Patient im Beratungsgespräch

Dr. Peter Mohr (links) und der Schauspieler Jürgen Alexander Weber präsentierten ein Arzt-Patienten-Gespräch. Foto: A. Wispler

Der Schauspieler Jürgen Alexander Weber schlüpfte dabei nacheinander in die Rolle zweier Patienten, die es den beiden Ärzten nicht ganz leicht machten. Anschließend wurden die gespielten Szenen ausgewertet und auch wir Patientenvertreter konnten unsere vielfältigen Erfahrungen aus solchen Gesprächen und von unseren Gruppenmitgliedern einbringen. Nicht zuletzt sind es oft die verpassten Chancen der Arzt-Patienten-Kommunikation, die die Betroffenen innerhalb der Selbsthilfegruppen beklagen. Deshalb ist es sehr begrüßenswert, dass ein solch anschauliches Format auf einem Ärztekongress stattfinden kann.

Wieder gut besuchtes Patientenforum

Spätestens beim Patientenforum am Samstag, zu dem rund 100 Interessierte aus Ludwigshafen und Umgebung gekommen waren, wurde deutlich, dass der Blickwinkel der Patienten wichtig ist. Aufgrund der eigenen Erfahrung und der erworbenen Kompetenz im Austausch unserer Selbsthilfegruppen kommen wir manchmal zu anderen Schlüssen als die Mediziner.

Foto: Antje Backes

Anne Wispler und Hans Bötel vom Hautkrebs-Netzwerk Deutschland stellten ihre engagierte ehrenamtliche Arbeit vor und brachten in der Diskussionsrunde anschauliche Beispiele aus der Sicht der Patienten ein.
Besonders hervorzuheben wäre auch der Vortrag von Dr. Joachim Wiskemann (Heidelberg) zum Stellenwert von Sport und Bewegung in der Krebstherapie. Eindrucksvoll sind die erwiesenen vielfältigen positiven Auswirkungen auf den Allgemeinzustand, das psychische Wohlbefinden und auch das soziale Erleben von Krebspatienten. Mehr dazu und über das Netzwerk OnkoAktiv findet man unter: https://www.nct-heidelberg.de/fuer-patienten/beratungsangebote/bewegung.html

Der 29. Deutsche Hautkrebskongress in Ludwigshafen war damit wieder ein Highlight und ein wichtiges Forum des Austauschs sowohl für das Fachpublikum als auch für uns, die Patientenvertreterinnen und -vertreter. Im nächsten Jahr sieht man sich dann zum 30jährigen Jubiläum dieser wichtigsten Hautkrebs-Plattform in Deutschland im schönen Nürnberg.

awi/hwb

 

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