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Aus den Fachgesprächen der 5. NVKH: Das Projekt „Was hab ich?“ und neue Erkenntnisse zum Einfluss von Stress

Im Rahmen der 5. Nationalen Versorgungskonferenz Hautkrebs (NVKH), die am 22. Und 23. Februar in Berlin stattfand, konnten wir wieder spannende Einblicke in aktuelle Forschungsfragen und Projekte gewinnen. Das Expertengremium trifft sich einmal im Jahr zum wissenschaftlichen Austausch. In diesem Jahr wurde dabei ein Start-Up vorgestellt, dass ärztliche Befunde in eine patientengerechte Sprache „übersetzt“ und Forschungsergebnisse zum Einfluss von Stress auf Immunsystem und Melanomerkrankungen.

Die Nationale Versorgungskonferenz Hautkrebs (NVKH) vernetzt bundesweit Dermatologen, Entscheidungsträger und andere Akteure des Gesundheitswesens im Bereich Hautkrebs Deutschland miteinander mit dem Ziel die Prävention, Früherkennung, Versorgung sowie Bürger- und Patientenorientierung zu stärken und zu verbessern. Bei der jährlich stattfindenden Versorgungskonferenz (siehe Bericht) tauschen sich die Experten in verschiedenen Arbeitsgruppensitzungen über aktuelle Thematiken aus. Wir waren bei der Sitzung zur „Stärkung der Patientenorientierung“ mit dabei.

Vorstellung von Initiativen für verbesserte Patienteninformation

Differenzierte Fachbegriffe helfen Medizinern, gesundheitliche Probleme genau zu benennen. Für eine Unterhaltung darüber mit Patienten ist diese Sprache jedoch ungeeignet. Doch viel zu oft werden Fachbegriffe im Patientengespräch nicht weiter erklärt, Erkrankte trauen sich oft nicht nachzufragen oder vergessen in der Aufregung vieles von dem Gesagten nach Verlassen der Arztpraxis. Dieser Problematik widmet sich das Start Up „Was hab‘ ich?„, das Geschäftsführer Ansgar Jonietz bei der 5. NVKH vorstellte.

Die Online-Plattform übersetzt mit Hilfe ehrenamtlich arbeitender Medizinstudenten und Ärzten Befunde für Patienten in laienverständliche Sprache. Die Studierenden bekommen dazu einen Online-Kurs und können so bereits Praxiserfahrung sammeln. Für Patienten ist das Angebot kostenlos. Ein weiteres Produkt ist der „Patientenbrief“, welcher nach einem Krankenhausaufenthalt ausgegeben werden soll. Darin enthalten sind individuelle Informationen zu Krankheitsbild, Untersuchungen und gesundheitsförderlichem Verhalten patientengerecht aufbereitet. Wir begrüßen diese Idee.

 

Forschungsthema: Wie beeinflusst Stress unser Immunsystem als Krebspatienten

Neue Einblicke in die Forschung auf dem Gebiet der Psychoneuroimmunologie (PNI) gab uns Prof. Eva Peters von der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Die PNI ist ein in den 1970er Jahren entstandenes interdisziplinäres Forschungsgebiet, das sich mit der Wechselwirkung der Psyche, des Nervensystems und des Immunsystems beschäftigt. Die Forschung speiste sich zunächst aus der Erkenntnis, dass Stress zu vermehrter Entzündung an den Außenflächen unseres Organismus, also auf der Haut, führen kann. So kam die Idee auf, dass für chronische Hauterkrankungen eine krankheitsspezifische Persönlichkeit ausgemacht werden könne. Diese Idee hat jedoch bisher keinen wissenschaftlichen Bestand. Anhaltspunkte für eine „Krebspersönlichkeit“ gebe es nicht, so Prof. Peters, und Patienten sollten sich nicht zusätzlich mit der Frage belasten, inwieweit Stress Ursache ihrer Krebserkrankung sein könnte.

Dennoch fragen sich Betroffene sehr häufig, ob es einen Zusammenhang zwischen Stress und dem Auftreten von Krebs gibt und sehen im Rückblick auf Erlebtes Indizien dafür. Und es besteht auf dem Gebiet noch immer ein enormer Forschungsbedarf.
Dass sich Stress auch über die Haut bemerkbar macht liegt daran, dass unser größtes Organ durch Blutgefäße und Nervenenden an das Stressreaktionssystem unseres Körpers angedockt ist. Stress ist dabei als Belastung zu sehen, die eine Anpassungsreaktion hervorruft, die zunächst einmal neutral zu bewerten ist. So kann akuter Stress zu einer „Kampf- oder Flucht“-Anpassung mit erhöhter Gedächtnisleistung und Energiestoffwechsel führen. Bei chronischen Formen von Stress kann dieser „Kampf- oder Flucht“-Zustand jedoch nicht aufrechterhalten werden. Stattdessen kann es zu bestimmten körperlichen Anpassungsreaktionen kommen, die die Abwehrfunktion unseres Immunsystems stören, vor allem bei zusätzlichen akuten Belastungen. Es kommt also auf die genaue Betrachtung schützender und destruktiver Aspekte an, um die Relevanz von Stress für Erkrankungen wie Neurodermitis, Psoriasis oder auch des malignes Melanom zu verstehen und nutzbringend in Diagnostik und Behandlung einzubringen.

Eva Peters
 
 
 
 
 
 
 

Studien zum Stress und seiner Wirkung auf Melanompatienten sind leider kaum vorhanden. Prof. Eva Peters konnte jedoch einige aussagekräftige Immunmarker identifizieren: Sie fand im Rahmen einer Studie heraus, dass das Stresslevel bei Melanompatienten stark mit den Intervallen der Behandlung und den Nachsorgeterminen zusammenhängt. Im nächsten Schritt gilt es zu klären, ob eine entsprechende psychoonkologische Intervention einen messbaren Einfluss auf diese Marker hat und damit den Stress senkt und die Gesundheit fördert.

Hintergrund

Das NVKH-Netzwerk wurde 2013 von der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG), dem Bundesverband der Deutschen Dermatologen (BVDD), der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie (ADO) und der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) ins Leben gerufen. Orientiert am vom Bundesgesundheitsministerium initiierten Nationale Krebsplan (NKP) richtet sich das interdisziplinäre Expertennetzwerk NVKH an vier Handlungsfeldern aus: (1) Weiterentwicklung der Hautkrebsvermeidung und Früherkennung, (2) Weiterentwicklung der onkologischen Versorgungsstrukturen und der Qualitätssicherung, (3) Sicherstellung einer effizienten onkologischen Behandlung, (4) Stärkung der Patientenorientierung.

Anne Wispler und Henriette Bunde

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