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Melanomtherapie: Neues vom ESMO-Kongress

MPNE-Patientenvertreter beim ESMO

Ein Teil der Patientenvertreter des Melanoma Patient Network Europe beim ESMO 2017 (Foto: MPNE)

Deutsche Onkologen stellten diese Woche auf dem Europäischen Krebskongress ESMO in Madrid wichtige Forschungsergebnisse zur Melanomtherapie vor. Diese werden die zukünftigen Behandlungsmöglichkeiten beim schwarzen Hautkrebs verändern. Am Kongress nahmen auch Vertreter des Hautkrebs-Netzwerks Deutschland e.V. teil, um sich mit den rund 200 angereisten Patientenvertretern und Krebsexperten auszutauschen.

Patienten reden mit beim größten europäischen Krebskongress

Am Dienstag ging in Madrid nach fünf Tagen der ESMO 2017, die Jahrestagung der ‚European Society of Medical Oncology‘ zuende. Rund 24.000 Teilnehmer trafen sich hier zum Netzwerken und zur Fortbildung.

Besonders positiv: Über zweihundert Patientenvertreter aus ganz Europa und auch aus Übersee waren mit dabei. Ihnen war sogar eine eigene Veranstaltungsreihe gewidmet, der ‚Patient Advocacy Track‘. Hier diskutierten Patientenvertreter und Experten gemeinsam, wie man die Krebsforschung, Behandlung und Versorgung von Patienten verbessern kann. Die Perspektive der Betroffenen ist wichtig in der Bewertung von Medikamenten-Nutzen und -Nebenwirkungen, in der Durchführung von medizinischen Studien und der Behandlung und Reha. Eines der Anliegen ist es, dass alle Patienten in Europa Zugang zu den bestmöglichen Krebstherapien erhalten, wovon z.B. Krebspatienten aus Rumänien und anderen osteuropäischen Ländern noch weit entfernt sind. Gemeinsam arbeiten wir zu diesem Zweck im Melanoma Patient Network Europe (MPNE) zusammen.

Sitzung der Patientenvertreter

Über 200 Patientenvertreter aus ganz Europa trafen sich in Madrid. (Foto: A. Wispler)

Neue Tendenzen in der Krebstherapie: wirksamer, individueller und teurer

Wenn es um wichtige neue Ergebnisse der Krebsforschung geht, so warten natürlich alle gespannt, was bei einem solchen großen Kongress präsentiert wird. Dieses Jahr wieder im Fokus waren die Erfolge der sogenannten „zielgerichteten“ und der Immuntherapie. Aber z.B. auch Erkenntnisse zur Tumorentstehung, zur Identifizierung von aussagekräftigen Markern (Indikatoren für einen Tumor oder für eine bestimmte Prognose) und zu Faktoren, die das Immunsystem beeinflussen, wie z.B. die Genetik oder auch die Darmflora. Der Trend geht zu immer individuelleren und leider auch teureren Therapien.

Kieler Dermatoonkologe Hauschild präsentiert wichtige Studie zu adjuvanter Behandlung

Der Kieler Dermatoonkologe Prof. Axel Hauschild präsentierte eine wichtige internationale Studie zur kombinierten Therapie von zwei sogenannten zielgerichteten Substanzen (Dabrafenib und Trametinib) in der adjuvanten Therapie des Melanoms (Stadium III), die bei Patienten mit einer einer sogenannten BRAF-Mutation wirkt. „Dies sind die besten Resultate, die wir in den vergangenen 40 Jahren je bei der adjuvanten Therapie des fortgeschrittenen Melanoms gesehen haben“, so Hauschild in der ESMO-Pressekonferenz. Die Kombinationsbehandlung hätte die rückfallfreie Zeit im Vergleich zu Placebo verdoppelt. Aber vor allem auch die Verbesserung des Gesamtüberlebens sei beeindruckend.

Präsentation

Das rückfallfreie Überleben im Vergleich zu Placebo. (Foto: V. Astratinei)

Was heißt adjuvant? Und die Nebenwirkungen?

Nach der operativen Entfernung von Metastasen eines Melanoms wird entweder abgewartet, oder es können vorbeugende (adjuvante) Therapien verabreicht werden. Bis heute hat in Europa nur die Interferon-Therapie eine Zulassung hierfür erhalten. Diese kann jedoch schwere Nebenwirkungen mit sich bringen. Doch auch die getestete Kombitherapie mit Dabrafenib und Trametinib hatte in der Studie bei 41 % der Patienten mehr oder weniger schwere Nebenwirkungen und 26% der Patienten brachen die Studie daraufhin ab. Über Strategien gegen Nebenwirkungen wird hier in Kürze ein weiterer Bericht erscheinen.

Abschied vom Interferon?

Dr. Peter Mohr aus Buxtehude war überzeugt, dass die derzeitigen Behandlungsleitlinien für das Melanom modifiziert werden. Die Ergebnisse bedeuten auch, dass Interferon an Bedeutung verliert, da Wirksamkeit und Nebenwirkungen im Vergleich schlechter abschneiden. Alexander Eggermont, ein bisheriger Verfechter der Interferontherapie, nannte seinen Vortrag folgerichtig auch „Goodbye to Interferon“. Er schränkte jedoch ein, dass Interferon das Immunsystem günstig beeinflusse, und vor allem beim ulzerierten Melanom Wirkung zeigt.

Wichtig auch die Ergebnisse der adjuvanten Studie mit Nivolumab versus Ipilimumab (Checkmate 238), ebenfalls bahnbrechend: hier gab es relativ wenige Nebenwirkungen, wenige Therapieabbrecher und der Effekt war der Monotherapie mit Ipilimumab deutlich überlegen.

Conclusions for Melanoma

Fazit zur adjuvanten Melanom-Therapie von M. Algarra zum ESMO-Kongress (Foto: A. Wispler)

Was genau die Erkenntnisse vom ESMO für deutsche Hautkrebspatienten bringen werden, wird sicherlich auf dem 27. ADO-Hautkrebs-Kongress diskutiert werden, der diese Woche in Mainz stattfindet. Auch an diesem Kongress werden Vertreter des Hautkrebs-Netzwerks teilnehmen und anschließend berichten.

Die Originalpublikation der vorgestellten Studie (auf englisch):

http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1708539

und als pdf: http://www.nejm.org/doi/pdf/10.1056/NEJMoa1708539

 

Anne Wispler

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