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Hautkrebs, Sonne und Vitamin D – Wie soll ich mich verhalten?

Vortrag im Elbe Klinikum Buxtehude

Vitamin D Molekül Struktur des Vitamin-D-Moleküls. Quelle: Wikimedia Commons / Nwanneka123

Herr Dr. Rüdiger Greinert und Frau Dr. Beate Volkmer, beide leiten das Forschungslabor für Molekulare Zellbiologie des Elbe Klinikums Buxtehude, informierten am 4.5.2017 ebendort vor großem Publikum über Nutzen und Schaden von UV-Strahlung.

Die Sonnenstrahlung, die die Erde erreicht setzt sich zusammen aus 0,4% UVB, 3,9% UVA, 51,8% sichtbarem Licht und 43,9% Infrarotstrahlung, wobei der Nutzen der Sonnenstrahlung wie Licht, Wärme und Photosynthese den Anteilen an sichtbarem Licht und Infrarotstrahlung zuzuordnen ist. Der einzige positive Effekt, für den UV-Strahlung verantwortlich ist, ist die Vitamin-D-Produktion in der Haut durch UVB-Strahlung.

Demgegenüber steht die schädigende Wirkung von Sonnenstrahlung wie Schwächung des Immunsystems, Schädigung der Augen, vorzeitige Hautalterung, Sonnenbrand, Krebserkrankung und erhöhte Photosensibilität, die durch den UV-Anteil des Sonnenspektrums hervorgerufen wird. Auch der augenfälligste Effekt, die Bräunung ist kein Zeichen von Gesundheit, sondern ein Notprogramm der Haut, um das Erbgut der Hautzellen vor UV-bedingten Schäden zu schützen. Dieser Schutz ist allerdings nicht sehr hoch und schon bevor ein Sonnenbrand entsteht werden viele Schäden im Erbgut erzeugt. In Laboruntersuchungen können diese Schäden sichtbar gemacht werden.

Wie entsteht Hautkrebs?

UV-Strahlung (natürliche von der Sonne und künstliche im Solarium) schädigt das Erbgut der Hautzellen. Obwohl die Hautzellen diese Schäden gut reparieren können, ist dieser Reparaturprozess nicht fehlerlos. Je mehr Schäden repariert werden müssen, umso größer ist die Gefahr einer Fehlreparatur, die zu einer Veränderung im Erbgut führt und somit das Hautkrebsrisiko erhöht.

In Deutschland erkranken jährlich 265 000 Menschen neu an Hautkrebs. Der häufigste Hautkrebs ist das Basalzellkarzinom (ca. 150 000), das so gut wie nie metastasiert, gefolgt vom Plattenepithelkarzinom (ca. 85.000), das ab einer bestimmten Größe metastasieren kann. Der bösartigste Hautkrebs, das maligne Melanom tritt mit 30.000 Neuerkrankungen im Jahr am seltensten auf, ist aber für den größten Teil der hautkrebsbedingten ca. 3.000 Todesfälle pro Jahr verantwortlich. Früherkennung ist deshalb wichtig.

Ab einem Alter von 35 Jahren werden alle zwei Jahre die Kosten für eine Hautkrebsscreening, das beim Hausarzt oder Dermatologen durchgeführt wird, von den Krankenkassen übernommen.

Die Vitamin-D-Problematik

Vitamin D kann durch die Nahrung (z. B. Fisch, Milch, Pilze) aufgenommen werden, der größte Anteil wird jedoch durch UVB in der Haut gebildet. Gleichzeitig ist eine hohe UVB-Belastung der Haut für die Hautkrebsentstehung verantwortlich. International hat man sich darauf geeinigt, dass ein Vitamin-D-Serumspiegel < 20 ng/ml suboptimal, 20-30 ng/ml ausreichend und > 30 ng/ml optimal ist. Der im Blutserum gemessene Vitamin-D-Spiegel (25-OH-Vitamin-D) ist ein kleiner Bereich des komplexen Vitamin-D-Stoffwechsels, so wird die biologisch aktive Form des Vitamins erst in der Niere oder in anderen Körperzellen gebildet. Viele weitere Aspekte, wie z.B. die genetische Variante des Vitamin-D-Rezeptors auf den Zellen, können einen Einfluss auf die Effektivität von Vitamin D haben.

Die Rolle von Vitamin D für die Knochengesundheit ist gut erforscht, der zugrundeliegende Mechanismus ist bekannt. Überzeugende Daten gibt es auch dafür, dass ein niedriger Vitamin-D-Serumspiegel neben dem Frakturrisiko auch das Sturzrisiko erhöht. Für den Zusammenhang eines niedrigen Vitamin-D-Serumspiegels mit einem erhöhten Risiko, an Krebs zu erkranken, gibt es keine ausreichende Beweislage. Dafür gibt es Hinweise darauf, dass ein niedriger Vitamin-D-Serumspiegel in Folge einer Krankheit auftreten kann und nicht die Ursache der Erkrankung ist. Neue Daten deuten auf einen besseren Verlauf der Krebserkrankung in Abhängigkeit vom Vitamin-D-Serumspiegel bei bestimmten genetischen Voraussetzungen hin.

Wieviel UV-Strahlung brauchen wir?

Nach einer Empfehlung der Strahlenschutzkommission und des UV-Bündnisses (www.bfs.de) genügt es für eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung Gesicht, Hände und Unterarme unbedeckt und ohne Sonnenschutz zwei- bis dreimal pro Woche der Hälfte der UV-Dosis auszusetzen, in der man ungeschützt einen Sonnenbrand bekommen würde.

Beispielsweise bedeutet dies für Menschen mit Hauttyp II bei hohen sonnenbrandwirksamen UV-Bestrahlungsintensitäten (UV-Index 7) rein rechnerisch eine Bestrahlungszeit von ca. 12 Minuten. Den aktuellen UV-Index und eine Vorhersage findet man im Internet (z. B. www.bfs.de oder www.uv-index.de). Bei längeren Aufenthalten in der Sonne sind UV-Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Ein Sonnenbrand ist grundsätzlich zu vermeiden.
Ein vernünftiges Verhalten erlaubt es, die guten Seiten der Sonne zu genießen und das Hautkrebsrisiko klein zu halten. Die erste Priorität hat dabei das Vermeiden der UV-Strahlung: z. B. über Mittag Schatten aufsuchen. Danach kommt der textile Sonnenschutz: T-Shirt, Sonnenhut (und Sonnenbrille), knielange Hose, Schuhe. Schließlich alle nicht bedeckten Hautpartien mit Sonnencreme (LSF 30) eincremen.

Von starken, nicht ärztlich kontrollierten UV-Bestrahlungen (Sonne oder Solarium) zum Zweck der Vitamin-D-Bildung, der Selbsttherapie eines Vitamin-D-Mangels oder der Bräunung wird dringend abgeraten. Die erstmalige Nutzung eines Solariums in jungen Jahren (< 35 Jahre) verdoppelt annähernd das Risiko, an schwarzem Hautkrebs (malignes Melanom) zu erkranken. In Deutschland ist deshalb für Minderjährige die Nutzung eines Solariums gesetzlich verboten.

Dr. Beate Volkmer / Annegret Meyer

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