News-Ticker

Erfolgreicher erster Deutscher Hautkrebs-Patiententag

Referenten und Organisatoren des 1. Deutschen Hautkrebs-Patiententags Dr. Claas Ulrich (HTCC), Anne Wispler (Selbsthilfe Hautkrebs Berlin), Dr. Petra Hübner (Deutsche Krebsgesellschaft), Annegret Meyer (Selbsthilfegruppe Hautkrebs Buxtehude) und Dr. Peter Mohr (Elbe-Kliniken Buxtehude).

Viele Fakten und Infos zum Thema Hautkrebs, Motivierendes zum Umgang mit der Krankheit und ein starkes Plädoyer für die wichtige Rolle von Selbsthilfegruppen – das bot der 1. Deutsche Hautkrebs-Patiententag in Berlin.

Begrüßung durch Annegret Meyer (Buxtehude)

Annegret Meyer von der Selbsthilfegruppe Hautkrebs Buxtehude begrüßte die Teilnehmer und stellte die Ziele des Hautkrebs-Netzwerks Deutschland vor.

Rund 90 Besucherinnen und Besucher aus ganz Deutschland waren am 6.11. ins VKU-Forum in Berlin-Mitte gekommen, um sich auf der von mehreren deutschen Hautkrebs-Selbsthilfegruppen organisierten Veranstaltung persönlich zu informieren. Viele suchten aber auch das direkte Gespräch mit den geladenen Experten, den Selbsthilfevertretern und anderen Betroffenen.

Von der Arzt-Patienten-Kommunikation zur Psychoonkologie und Komplementärmedizin

Prof. Dr. med. Uwe Trefzer

Mit der Arzt-Patienten-Kommunikation steht und fällt eine erfolgreiche Behandlung. Prof. Dr. med. Uwe Trefzer (Berlin).

Wie wichtig die gute Arzt-Patientenkommunikation ist, stellte der Berliner Melanomexperte Professor Dr. Uwe Trefzer sehr anschaulich dar. Dabei werde leider oft viel falsch gemacht. So sollte z.B. der Arzt selbst, nicht etwa die Sprechstundenhilfe, den Patienten zum Praxisbesuch einladen, wenn es sich um eine schwere Diagnose handelt. Und wussten Sie, dass die meisten Patienten nur etwa ein Drittel von dem aufnehmen und behalten, was ihnen der Arzt sagt? Deshalb ist es so wichtig, eine vertraute Person zum Termin mitzunehmen, zumindest dann, wenn Sie mit schlechten Nachrichten rechnen müssen. Entscheidend ist, dass der Patient das Gefühl hat, ein Arzt engagiert sich und nimmt das individuelle Schicksal ernst.

Eine wichtige Frage, die Patienten sich stellen, ist: Was kann ich für mich selbst tun? „Alles was chronischen Druck, Ärger, Angst, Depression etc. reduziert,“ so die Psychoonkologin Dr. Eva Peters, die in ihrem Vortrag wichtige Denkanstöße zum Thema Stress gab. Stress, oder die psychosoziale Belastung, die die Diagnose „Krebs“ bei uns auslöst, ist interessanterweise unabhängig von der Schwere der Erkrankung. Und leider scheint es aus Studien immer mehr Hinweise zu geben, dass bestimmte Formen von Stress sich tatsächlich negativ auf Tumorerkrankungen auswirken. Um so wichtiger ist Unterstützung – z.B. von Psychoonkologen oder in der Selbsthilfegruppe.

Dr. Jutta Hübner von der Deutschen Krebsgesellschaft

PD Dr. med. Jutta Hübner von der Deutschen Krebsgesellschaft.

Immer wieder werden unsere Selbsthilfegruppen von den Betroffenen nach Komplementärmedizin und der richtigen Ernährung bei Krebs befragt. Hierbei kursieren auch dubiose Informationen. Dr. Jutta Hübner von der Deutschen Krebsgesellschaft warnte in ihrem sehr anschaulichen Beitrag vor unseriösen Versprechen, die unter dem Begriff „Alternativmedizin“ gemacht werden. Laborversuche an Zellkulturen ließen sich auch nicht 1:1 auf den Menschen übertragen. „Mit Zucker oder Salz können Sie eine Krebszelle im Reagenzglas umbringen. Mit der entsprechenden Dosis dann aber auch den ganzen Menschen.“ Dennoch können komplementärmedizinische, d.h. ergänzende Maßnahmen sinnvoll sein. Sie gab gute Tipps dazu, wie wir zum Beispiel dafür sorgen können, dass uns genügend Bewegung, Vitamine und Vitalstoffe beim Gesundungsprozess unterstützen.

Neues vom Hautkrebs

Natürlich war auch die Behandlung des gefährlichen Malignen Melanoms ein ganz wichtiges Thema. Dr. Peter Mohr, Chefarzt am Hautkrebszentrum Buxtehude, stellte zunächst die S3-Leitlinie vor, die gemeinsam von Experten und Patientenvertretern verfasst wurde und Ärzten Orientierung zur anerkannt besten Therapie bietet. Für Patienten gibt es eine eigene allgemein verständliche Leitlinie. So wird z.B. der Einsatz des Dermatoskops in stärkstem Maße empfohlen, eine Praxis, die sich leider bei manchen Hautärzten noch nicht durchgesetzt hat. Viele neue Medikamente kommen derzeit auf den Markt, so berichtete Dr. Mohr, die im fortgeschrittenen Stadium gute Ergebnisse bringen. Es sind allerdings noch zahlreiche Studien nötig, aber die Heilungschancen haben sich merklich verbessert und geben Grund zur Hoffnung.

Dr. Claas Ulrich. Leiter des Haut Tumor Centrums Charité

Dr. med. Claas Ulrich. Leiter des Haut Tumor Centrums Charité (Berlin).

Gute Nachrichten gibt es auch vom hellen Hautkrebs. Darunter fasst man jene Tumoren zusammen, die in den allermeisten Fällen gut heilbar sind, und die übrigens relativ sicher von zu viel UV- oder anderer Strahlung ausgelöst werden. Heller Hautkrebs wird seit dem 1.1.2015 bei bestimmten Voraussetzungen als Berufskrankheit anerkannt. Für die Betroffenen hat das z.B. den Vorteil, dass die Berufsgenossenschaft sie in besonderem Maße unterstützt. Nähere Infos und Formulare zur Meldung gibt es unter:
http://dguv.de/de/Versicherung/Berufskrankheiten/Hauterkrankungen/Hautkrebs-durch-UV-Strahlung/index.jsp

Gelungener Austausch und Netzwerk-Gründung

Neue Bekanntschaften und viele Infos

Neue Bekanntschaften und viele Infos gab es in den Pausen beim 1. Deutschen Hautkrebs-Patiententag in Berlin.

Mindestens so wichtig wie die Fachvorträge war der Austausch zwischen den Selbsthilfevertretern, Betroffenen und Experten beim 1. Deutschen Hautkrebs-Patiententag. Der zentrale und gut ausgestattete Veranstaltungsort im VKU-Forum in der Invalidenstraße bot dafür das richtige Ambiente. An den Infoständen stellten sich neben den Selbsthilfegruppen auch Institutionen und Firmen vor.

Prof. Dr. med. Eckhard Breitbart

Prof. Dr. Eckhard Breitbart stellt die Nationale Versorgungskonferenz Hautkrebs vor.

Am nächsten Tag trafen sich dann Interessierte aus den Selbsthilfegruppen und aus medizinischen Fachkreisen aus dem ganzen Bundesgebiet, um gemeinsam die Gründung des Hautkrebs-Netzwerks Deutschland vorzubereiten. Dessen Ziele hatte die Leiterin der Buxtehuder Hautkrebs-Selbsthilfe, Annegret Meyer in ihrem Vortrag am Vortag so definiert: Hautkrebs vermeiden, den Informationsstand und die Kompetenz von Patienten verbessern, den Zugang zu innovativen Therapien sichern und die Behandlungsqualität optimieren. Dazu will das Hautkrebs-Netzwerk Deutschland die Forschung unterstützen, die Selbsthilfe stärken und Patienteninteressen im gesundheitspolitischen Umfeld vertreten.

Ein ambitioniertes Programm, das aber aufgrund der geballten Kompetenz und dem Engagement der Teilnehmenden nun in Angriff genommen werden kann. Wenn auch Sie Interesse am Hautkrebs-Netzwerk Deutschland haben, abonnieren Sie den Newsletter:

Fotos: Wolkenhauer – tulip-foto.de
Text: Anne Wispler, Leiterin der Selbsthilfe Hautkrebs Berlin

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